Na, wieder mal Post vom Vermieter bekommen und denkst: "Nicht schon wieder die Nebenkostenabrechnung!"? Und dieses Mal ist sie auch noch spät dran? Keine Panik, das ist ärgerlich, aber du bist nicht machtlos. Lass uns mal schauen, welche Rechte du hast, wenn dein Vermieter die Abrechnung verbummelt.
Die magische 12-Monats-Frist: Dein Schutzschild
Stell dir vor, du hast deinen Vermieter im Griff – zumindest, wenn es um die Nebenkostenabrechnung geht. Und das geht mit der Abrechnungsfrist. Die ist nämlich dein wichtigstes Werkzeug. Dein Vermieter hat nach Ende des Abrechnungszeitraums 12 Monate Zeit, dir die Nebenkostenabrechnung zukommen zu lassen.
- •Was bedeutet das konkret? Der Abrechnungszeitraum ist meistens das Kalenderjahr (1. Januar bis 31. Dezember). Wenn dein Vermieter also bis zum 31. Dezember 2024 Zeit hat, dir die Abrechnung für 2023 zu schicken, und sie kommt erst am 15. Januar 2025 an, dann ist sie verspätet.
Was passiert, wenn die Abrechnung zu spät kommt?
Jetzt wird's spannend: Was kannst du tun, wenn die Abrechnung zu spät ist? Hier kommt die gute Nachricht:
- •Nachforderung ausgeschlossen: Grundsätzlich gilt: Ist die Abrechnung verspätet, kann dein Vermieter keine Nachforderungen mehr geltend machen. Das heißt, wenn er mehr Geld von dir will, als du bereits bezahlt hast, hat er Pech gehabt! (BGH, Urteil vom 25.01.2006, Az. VIII ZR 142/05)
- •Aber Achtung: Das gilt nicht für Guthaben! Wenn sich herausstellt, dass du zu viel bezahlt hast, steht dir das Geld natürlich trotzdem zu. Dein Vermieter muss dir das Guthaben auszahlen, auch wenn die Abrechnung verspätet war.
Schadensersatz bei verspäteter Abrechnung: Dein gutes Recht
Die verspätete Abrechnung ist nicht nur ärgerlich, sie kann dir auch Schaden zufügen. Stell dir vor, du hast fest mit einer Rückzahlung gerechnet und deswegen einen Urlaub geplant. Oder du musstest extra Zeit investieren, um herauszufinden, ob die Abrechnung korrekt ist. In solchen Fällen hast du möglicherweise Anspruch auf Schadensersatz.
- •Wann gibt es Schadensersatz? Schadensersatz gibt es dann, wenn dir durch die Verspätung ein finanzieller Schaden entstanden ist. Zum Beispiel:
* Entgangene Zinsen: Hättest du das Guthaben anlegen können und dadurch Zinsen erzielt? Dann kann dein Vermieter dir den entgangenen Zinsgewinn ersetzen müssen.
* Sonstige Schäden: Hast du aufgrund der Verspätung andere finanzielle Nachteile gehabt? Sprich mit einem Anwalt darüber, ob du dafür Schadensersatz verlangen kannst.
- •Wie forderst du Schadensersatz? Wichtig ist, dass du deinen Schaden beweisen kannst. Sammle also alle Belege und Nachweise, die deinen finanziellen Schaden belegen. Dann kannst du deinen Vermieter schriftlich zur Zahlung von Schadensersatz auffordern. Setze ihm dafür eine angemessene Frist. Wenn er nicht zahlt, kannst du Klage einreichen.
Kürzung der Vorauszahlungen: Druckmittel mit Vorsicht
Manche Mieter denken, sie könnten ihre Nebenkostenvorauszahlungen kürzen, wenn die Abrechnung zu spät kommt. Das ist aber riskant. Du solltest deine Vorauszahlungen nur kürzen, wenn du dir sehr sicher bist, dass die Abrechnung fehlerhaft ist oder dir ein Schaden entstanden ist, der die Kürzung rechtfertigt.
- •Warum ist das riskant? Wenn du deine Vorauszahlungen zu Unrecht kürzt, kann dein Vermieter dir kündigen! Sei also vorsichtig und lass dich im Zweifelsfall von einem Anwalt beraten.
- •Besser: Sprich zuerst mit deinem Vermieter. Erkläre ihm, warum du mit der Abrechnung nicht einverstanden bist und warum du über eine Kürzung nachdenkst. Vielleicht könnt ihr euch ja einigen.
Was, wenn der Vermieter eine Erklärung hat?
Es gibt natürlich auch Situationen, in denen dein Vermieter eine gute Begründung für die Verspätung hat. Zum Beispiel:
- •Komplexe Abrechnung: Die Abrechnung ist besonders kompliziert, weil es viele verschiedene Kostenarten gibt oder weil das Gebäude sehr groß ist.
- •Verzögerungen durch Dritte: Der Vermieter hat die Abrechnung rechtzeitig in Auftrag gegeben, aber der Dienstleister hat sich verspätet.
- •Krankheit oder Urlaub: Der Vermieter oder die zuständige Person in der Hausverwaltung war krank oder im Urlaub.
- •In diesen Fällen: Auch wenn eine verspätete Nebenkostenabrechnung vorliegt, kann dein Vermieter unter Umständen die Nachforderung geltend machen, wenn er die Verspätung nicht zu verschulden hat. Das ist aber immer eine Einzelfallentscheidung. Sprich am besten mit einem Anwalt, wenn du dir unsicher bist.
Was tun, wenn die Abrechnung da ist?
Die verspätete Nebenkostenabrechnung ist endlich da. Puh! Aber jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Du solltest die Abrechnung genau prüfen.
- •Formelle Anforderungen: Ist die Abrechnung übersichtlich und verständlich? Enthält sie alle notwendigen Angaben (Abrechnungszeitraum, Gesamtkosten, Verteilerschlüssel, deine Vorauszahlungen)?
- •Inhaltliche Richtigkeit: Sind die Kosten korrekt? Sind die Verteilerschlüssel richtig angewendet? Hast du alle Belege geprüft?
- •Einspruch: Wenn du Fehler entdeckst, solltest du innerhalb von 12 Monaten nach Erhalt der Abrechnung Widerspruch einlegen. Auch hier gilt: Form und Frist sind wichtig! Schreibe deinen Widerspruch am besten schriftlich und schicke ihn per Einschreiben mit Rückschein.
Fazit: Späte Abrechnung – Deine Rechte im Überblick
Eine verspätete Nebenkostenabrechnung ist ärgerlich, aber du bist nicht hilflos. Du hast das Recht, dass dein Vermieter die Abrechnungsfrist einhält. Tut er das nicht, kann er keine Nachforderungen mehr geltend machen. Außerdem hast du möglicherweise Anspruch auf Schadensersatz, wenn dir durch die Verspätung ein finanzieller Schaden entstanden ist.
- •Nachforderungen: Bei verspäteter Abrechnung ausgeschlossen
- •Guthaben: Muss auch bei verspäteter Abrechnung ausgezahlt werden
- •Schadensersatz: Möglich, wenn dir ein finanzieller Schaden entstanden ist
- •Einspruch: Innerhalb von 12 Monaten nach Erhalt der Abrechnung
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