Na, fühlst du dich auch manchmal von deiner Heizkostenabrechnung erschlagen? Vor allem, wenn dir komische Dinge an deinen Heizkostenverteilern aufgefallen sind? Keine Panik, das ist ein Problem, das viele Mieter kennen! Aber keine Sorge, du bist nicht machtlos. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du vorgehen kannst, wenn du den Verdacht hast, dass deine Heizkostenverteiler defekt oder manipuliert sind und wie du deinen korrekten Heizkostenanteil selbst berechnen und die Abrechnung anfechten kannst. Los geht's!
Was, wenn der Heizkostenverteiler spinnt?
Stell dir vor, es ist Hochsommer, die Heizung ist aus, aber dein Heizkostenverteiler zeigt trotzdem fleißig Verbrauch an? Oder du heizt wie ein Weltmeister, aber der Zähler rührt sich kaum? Das sind natürlich Alarmsignale! Defekte oder manipulierte Heizkostenverteiler können zu einer völlig falschen Heizkostenabrechnung führen. Und das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch unfair.
Typische Anzeichen für Probleme mit Heizkostenverteilern:
- •Ungewöhnlich hohe oder niedrige Verbrauchswerte: Vergleiche deine Verbrauchswerte mit denen der Vorjahre oder mit denen deiner Nachbarn. Extreme Abweichungen können ein Warnsignal sein.
- •Anzeige bei ausgeschalteter Heizung: Der Zähler läuft, obwohl die Heizung aus ist? Das darf nicht sein!
- •Beschädigungen oder Manipulationen: Sind die Heizkostenverteiler offensichtlich beschädigt oder manipuliert? Wurden z.B. die Siegel gebrochen?
- •Unplausible Verteilung im Haus: Verbrauchen alle Mieter ähnlich viel, obwohl das Wohnverhalten stark variiert?
Selber rechnen? So geht's!
Okay, du hast also den Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Was nun? Bevor du dich in einen Kampf mit deinem Vermieter stürzt, ist es ratsam, erstmal selbst aktiv zu werden und deinen Heizkostenanteil grob zu überschlagen.
Die Heizkostenverordnung (HeizkV) schreibt vor, dass die Heizkosten in der Regel in zwei Teile aufgeteilt werden:
- •Verbrauchsunabhängige Kosten (30-50%): Das sind Kosten, die unabhängig vom individuellen Verbrauch anfallen, z.B. für die Wartung der Heizungsanlage oder die Kosten des Brennstoffs. Diese Kosten werden nach Wohnfläche verteilt.
- •Verbrauchsabhängige Kosten (50-70%): Das sind die Kosten, die direkt von deinem Heizverhalten abhängen. Diese werden anhand der Verbrauchswerte der Heizkostenverteiler verteilt.
- 1.Verschaffe dir einen Überblick: Besorge dir die Gesamtheizkosten des Hauses aus der Abrechnung.
- 2.Ermittle die verbrauchsunabhängigen Kosten: In der Abrechnung sollte stehen, welcher Prozentsatz der Kosten verbrauchsunabhängig ist. Berechne diesen Betrag.
- 3.Berechne deinen Anteil an den verbrauchsunabhängigen Kosten: Teile die verbrauchsunabhängigen Kosten durch die Gesamtquadratmeterzahl des Hauses und multipliziere das Ergebnis mit deiner Wohnfläche.
- 4.Ermittle die verbrauchsabhängigen Kosten: Ziehe die verbrauchsunabhängigen Kosten von den Gesamtheizkosten ab.
- 5.Ermittle deinen Anteil am Gesamtverbrauch: Summiere die Verbrauchswerte aller Heizkostenverteiler im Haus. Teile deinen Verbrauch durch diese Summe. Das Ergebnis ist dein Anteil am Gesamtverbrauch.
- 6.Berechne deinen Anteil an den verbrauchsabhängigen Kosten: Multipliziere die verbrauchsabhängigen Kosten mit deinem Anteil am Gesamtverbrauch.
- 7.Addiere beide Anteile: Addiere deinen Anteil an den verbrauchsunabhängigen und den verbrauchsabhängigen Kosten. Das Ergebnis ist dein voraussichtlicher Heizkostenanteil.
- •Verbrauchsunabhängiger Anteil: 40% (4.000 Euro)
- •Deine Wohnfläche: 60 qm
- •Gesamtfläche des Hauses: 600 qm
- •Dein Verbrauch: 500 Einheiten
- •Gesamtverbrauch im Haus: 5.000 Einheiten
- 1.Verbrauchsunabhängige Kosten: 4.000 Euro
- 2.Dein Anteil an den verbrauchsunabhängigen Kosten: (4.000 Euro / 600 qm) \* 60 qm = 400 Euro
- 3.Verbrauchsabhängige Kosten: 10.000 Euro - 4.000 Euro = 6.000 Euro
- 4.Dein Anteil am Gesamtverbrauch: 500 Einheiten / 5.000 Einheiten = 0,1 (10%)
- 5.Dein Anteil an den verbrauchsabhängigen Kosten: 6.000 Euro \* 0,1 = 600 Euro
- 6.Dein voraussichtlicher Heizkostenanteil: 400 Euro + 600 Euro = 1.000 Euro
Anfechten – So wehrst du dich!
Wenn deine Eigenberechnung stark von den Werten in deiner Abrechnung abweicht und du weiterhin den Verdacht hast, dass etwas nicht stimmt, solltest du die Abrechnung anfechten.
So gehst du vor:
- 1.Schriftliche Beanstandung: Lege schriftlich Widerspruch gegen die Heizkostenabrechnung ein. Beschreibe detailliert, warum du die Abrechnung für falsch hältst. Nenne die konkreten Mängel an den Heizkostenverteilern und lege Beweise vor (z.B. Fotos, Zeugenaussagen von Nachbarn).
- 2.Frist beachten: Die Anfechtungsfrist beträgt in der Regel 12 Monate nach Erhalt der Abrechnung. Verpasse diese Frist nicht!
- 3.Belegeinsicht: Fordere Belegeinsicht an. Du hast das Recht, alle relevanten Unterlagen einzusehen, die zur Erstellung der Abrechnung verwendet wurden, z.B. Rechnungen für Brennstoff, Wartungsverträge, Ableseprotokolle.
- 4.Professionelle Hilfe: Hole dir im Zweifelsfall professionelle Hilfe. Ein Mieterverein oder ein Anwalt für Mietrecht kann dich beraten und unterstützen.
Was sagt der BGH?
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich schon mehrfach mit dem Thema Heizkostenabrechnung und defekten Heizkostenverteilern beschäftigt. Ein wichtiges Urteil (BGH, Urteil vom 16.01.2008, Az. VIII ZR 222/06) besagt, dass der Vermieter für die ordnungsgemäße Funktion der Heizkostenverteiler verantwortlich ist. Wenn die Verteiler defekt sind, muss der Vermieter für eine korrekte Abrechnung sorgen. Kann er das nicht, kann der Mieter unter Umständen eine Kürzung der Heizkosten verlangen.
Alternativen bei defekten Heizkostenverteilern
Wenn die Heizkostenverteiler nachweislich defekt sind und eine verbrauchsabhängige Abrechnung nicht möglich ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- •Schätzung: Der Vermieter kann den Verbrauch schätzen. Die Schätzung muss aber nachvollziehbar und plausibel sein. du sollte sich z.B. am Verbrauch der Vorjahre oder am Verbrauch vergleichbarer Wohnungen orientieren.
- •Abrechnung nach Fläche: Wenn eine Schätzung nicht möglich ist, kann der Vermieter die Heizkosten komplett nach Wohnfläche abrechnen.
- •Einbau neuer Heizkostenverteiler: Die beste Lösung ist natürlich, die defekten Heizkostenverteiler durch neue, funktionstüchtige Geräte zu ersetzen.
Fazit
Lass dich nicht von einer undurchsichtigen Heizkostenabrechnung unterkriegen! Mit ein bisschen Recherche, einer eigenen Berechnung und gegebenenfalls einer Anfechtung kannst du dein Recht durchsetzen. Achte aufmerksam auf deine Heizkostenverteiler, vergleiche deine Verbräuche und scheue dich nicht, deinen Vermieter zur Rede zu stellen. Und denk daran: Du bist nicht allein! Es gibt viele Mieter, die ähnliche Probleme haben. Hol dir Rat und Unterstützung, wenn du sie brauchst. So sorgst du für eine faire und transparente Heizkostenabrechnung!
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