Fristen

Frist verpasst? Wann Mieter trotz versäumter Frist gegen die Nebenkostenabrechnung vorgehen können (inkl. Härtefallregelung)

Na, hast du auch gerade wieder deine Nebenkostenabrechnung bekommen und bist vielleicht ein bisschen aus allen Wolken gefallen? Keine Panik, das geht vielen so! Und noch schlimmer: Vielleicht ist dir...

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5 Min. Lesezeit
Frist verpasst? Wann Mieter trotz versäumter Frist gegen die Nebenkostenabrechnung vorgehen können (inkl. Härtefallregelung)

Na, hast du auch gerade wieder deine Nebenkostenabrechnung bekommen und bist vielleicht ein bisschen aus allen Wolken gefallen? Keine Panik, das geht vielen so! Und noch schlimmer: Vielleicht ist dir sogar die Frist für den Widerspruch durch die Lappen gegangen? Autsch! Aber keine Sorge, bevor du jetzt den Kopf in den Sand steckst, lass uns mal schauen, ob es vielleicht doch noch Wege gibt, wie du gegen die Abrechnung vorgehen kannst. Denn manchmal ist es eben noch nicht zu spät!

Frist verpasst – Was jetzt?

Die Ausschlussfrist für den Widerspruch gegen deine Nebenkostenabrechnung beträgt in der Regel zwölf Monate ab dem Ende des Abrechnungszeitraums, und danach hast du zwölf Monate Zeit für den Einspruch. Das steht so im § 556 Abs. 3 BGB. Wenn du diese Fristen verpasst hast, klingt das erstmal übel. Aber atme durch, denn es gibt Ausnahmen!

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WichtigDiese Fristen gelten ab dem Zeitpunkt, an dem dir die Abrechnung zugegangen ist. Das bedeutet, du musst nachweisen können, wann genau du die Abrechnung erhalten hast. Am besten ist es, wenn du den Umschlag aufbewahrst oder dir den Empfang quittieren lässt.

Gründe für ein verspätetes Vorgehen

Auch wenn die Frist verstrichen ist, gibt es ein paar Schlupflöcher, die du nutzen kannst:

  • Formelle Fehler: Enthält deine Nebenkostenabrechnung grobe formelle Fehler? Ist sie beispielsweise unübersichtlich, unverständlich oder fehlen wichtige Angaben? Dann kann die Abrechnung ungültig sein und die Frist für den Widerspruch spielt keine Rolle mehr. Laut BGH ist es Vermietern zuzumuten, eine formell ordnungsgemäße Abrechnung zu erstellen (BGH, Urteil vom 17.11.2004 – VIII ZR 191/03). Das bedeutet: Wenn die Abrechnung ein Chaos ist, hast du gute Karten.
  • Offensichtliche Fehler: Sind in der Abrechnung offensichtliche Rechenfehler oder Posten enthalten, die eindeutig nicht umlagefähig sind (z.B. Reparaturen am Dach oder die private Haftpflichtversicherung des Vermieters), kannst du auch nach Ablauf der Frist Einspruch erheben.
  • Fehlende Belege: Dein Vermieter muss dir auf Verlangen Einsicht in die Belege gewähren. Verweigert er dir diese Einsicht oder sind die Belege unvollständig, kann das deine Position stärken. Du kannst dann auch nach Ablauf der Frist argumentieren, dass du die Abrechnung erst nach Einsicht in die Belege vollständig prüfen konntest und die Frist somit noch nicht abgelaufen ist.
  • Irrtum und Täuschung: Wurdest du von deinem Vermieter getäuscht oder hast du dich in einem wesentlichen Punkt geirrt, kannst du die Abrechnung möglicherweise anfechten. Allerdings musst du diesen Irrtum oder die Täuschung beweisen können.

Die Härtefallregelung: Wenn's wirklich hart auf hart kommt

Okay, die bisherigen Punkte treffen nicht zu? Dann gibt es noch die sogenannte Härtefallregelung. Diese greift, wenn du aufgrund besonderer Umstände (z.B. Krankheit, längerer Auslandsaufenthalt, persönliche Krisen) nicht in der Lage warst, die Abrechnung rechtzeitig zu prüfen und Widerspruch einzulegen.

Aber Achtung: Die Hürden für die Härtefallregelung sind hoch. Du musst glaubhaft darlegen und beweisen, warum du die Frist unverschuldet versäumt hast. Es reicht nicht aus zu sagen: "Ich hatte einfach keine Zeit." Du musst schon stichhaltige Gründe vorlegen.

Beispiele für Härtefälle:

  • Schwere Krankheit: Du warst während der gesamten Frist schwer krank und konntest dich nicht um deine Angelegenheiten kümmern.
  • Längerer Krankenhausaufenthalt: Du warst während der gesamten Frist im Krankenhaus und hattest keine Möglichkeit, die Abrechnung zu bearbeiten.
  • Unerwarteter Auslandsaufenthalt: Du musstest kurzfristig ins Ausland reisen und hattest keine Möglichkeit, die Abrechnung an eine Vertrauensperson zu übergeben.
  • Todesfall in der Familie: Ein Todesfall in der Familie hat dich emotional so stark belastet, dass du dich nicht um deine Angelegenheiten kümmern konntest.
In all diesen Fällen solltest du dir ärztliche Atteste, Bescheinigungen oder andere Nachweise besorgen, die deine Situation belegen.

Konkrete Tipps, wie du vorgehst

  1. 1.Ruhe bewahren: Auch wenn die Frist verstrichen ist, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die Situation zu analysieren.
  2. 2.Abrechnung genau prüfen: Schau dir die Abrechnung noch einmal ganz genau an. Gibt es formelle Fehler, Rechenfehler oder Posten, die nicht umlagefähig sind?
  3. 3.Belege einsehen: Fordere beim Vermieter Einsicht in die Belege an. Dies ist dein Recht und kann dir helfen, Fehler zu entdecken.
  4. 4.Gründe für Fristversäumnis dokumentieren: Wenn du dich auf die Härtefallregelung berufen möchtest, dokumentiere sorgfältig alle Gründe, warum du die Frist versäumt hast. Sammle alle relevanten Nachweise (z.B. ärztliche Atteste, Bescheinigungen).
  5. 5.Schriftlicher Einspruch: Lege schriftlich Einspruch gegen die Abrechnung ein, auch wenn die Frist verstrichen ist. Begründe deinen Einspruch ausführlich und lege alle relevanten Nachweise bei.
  6. 6.Rechtlichen Rat einholen: Wenn du unsicher bist oder der Vermieter deinen Einspruch ablehnt, solltest du dir rechtlichen Rat bei einem Mieterverein oder einem Anwalt für Mietrecht einholen. Diese können deine Situation besser einschätzen und dir helfen, deine Rechte durchzusetzen.
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WichtigAuch wenn du die Frist versäumt hast, solltest du den strittigen Betrag nicht einfach einbehalten. Dies könnte eine Kündigung des Mietverhältnisses zur Folge haben. Zahle den Betrag unter Vorbehalt und fordere ihn gegebenenfalls später zurück.

Die Verjährung nicht vergessen!

Selbst wenn du keine Möglichkeit mehr hast, gegen die Abrechnung vorzugehen, solltest du die Verjährung im Auge behalten. Forderungen aus der Nebenkostenabrechnung verjähren in der Regel nach drei Jahren. Das bedeutet, dass dein Vermieter nach Ablauf dieser Frist keine Ansprüche mehr gegen dich geltend machen kann. Die Verjährungsfrist beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.

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BeispielDie Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2023 wird dir im Juni 2024 zugestellt. Die Verjährungsfrist beginnt am 31. Dezember 2024 und endet am 31. Dezember 2027.

Fazit: Nicht gleich aufgeben!

Auch wenn du die Frist für den Widerspruch gegen deine Nebenkostenabrechnung verpasst hast, ist noch nicht alles verloren. Prüfe die Abrechnung genau, fordere Belege an und dokumentiere deine Gründe für die Fristversäumnis. Wenn du formelle Fehler, offensichtliche Fehler oder Härtefälle nachweisen kannst, hast du gute Chancen, auch nachträglich gegen die Abrechnung vorzugehen. Und denk dran: Im Zweifelsfall ist es immer ratsam, sich rechtlichen Rat einzuholen. Viel Erfolg!

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