Na, wieder mal Bauchschmerzen wegen der Nebenkostenabrechnung? Besonders ärgerlich wird’s, wenn du gerade ausgezogen bist und der Vermieter mit ominösen Zwischenablesungen um die Ecke kommt. Keine Panik! Ich zeige dir, wie Vermieter bei der Zwischenablesung gerne mal tricksen und wie du dich dagegen wehren kannst.
Was ist eine Zwischenablesung überhaupt?
Stell dir vor, du wohnst in einer Wohnung und zahlst Nebenkosten, die sich unter anderem nach deinem Verbrauch richten – also Heizung, Warmwasser usw. Wenn du ausziehst und ein neuer Mieter einzieht, muss irgendwie festgestellt werden, wie viel du verbraucht hast und wie viel der Nachmieter verbraucht. Genau dafür ist die Zwischenablesung da. du dokumentiert den Stand von Heizkostenverteilern, Wasserzählern und anderen Messgeräten zum Zeitpunkt deines Auszugs.
Warum ist die Zwischenablesung so wichtig?
Ganz einfach: Ohne Zwischenablesung würde dein Verbrauch geschätzt. Und Schätzungen sind oft ungenau – und meist zu deinem Nachteil! Stell dir vor, du bist sparsam und heizt wenig, aber der Vermieter schätzt deinen Verbrauch so hoch ein, als hättest du die ganze Zeit die Fenster offen gehabt. Das kann teuer werden!
Die Tricks der Vermieter: Wo wird gerne geschummelt?
Klar, nicht alle Vermieter sind Gauner. Aber es gibt ein paar Maschen, die immer wieder vorkommen:
- •Falsche Ablesewerte: Hier wird einfach ein höherer Wert notiert, als tatsächlich auf dem Zähler steht.
- •Fehlende Ablesung: Der Vermieter nimmt gar keine Zwischenablesung vor und schätzt deinen Verbrauch willkürlich.
- •Verspätete Ablesung: Die Ablesung erfolgt erst Wochen nach deinem Auszug. In der Zwischenzeit hat der Nachmieter fleißig geheizt und geduscht, und du sollst dafür zahlen.
- •Defekte Messgeräte: Manchmal sind die Messgeräte kaputt oder ungenau. Das kann zu falschen Ergebnissen führen.
- •Undurchsichtige Abrechnung: Die Abrechnung ist so kompliziert und unverständlich, dass du den Fehler gar nicht erst entdeckst.
Wie du dich wehren kannst: Dein Plan für die Zwischenablesung
Okay, genug geredet, jetzt wird gehandelt! Hier kommt dein persönlicher Aktionsplan:
- 1.Bestehe auf die Zwischenablesung: Dein Vermieter ist verpflichtet, eine Zwischenablesung durchzuführen. Das ergibt sich aus seiner Pflicht, eine korrekte Nebenkostenabrechnung zu erstellen. Lass dich nicht mit Ausreden abspeisen.
- 2.Sei dabei!: Vereinbare einen Termin zur Zwischenablesung und sei unbedingt selbst anwesend. So kannst du sicherstellen, dass alles korrekt abläuft.
- 3.Kontrolliere die Messgeräte: Überprüfe, ob die Messgeräte richtig funktionieren und ob die angezeigten Werte plausibel sind. Notiere dir die Zählerstände selbst und mache Fotos von den Zählern als Beweis.
- 4.Lies selbst ab!: Wenn der Vermieter keine Zwischenablesung durchführt oder du Zweifel an den Werten hast, lies die Zählerstände selbst ab und informiere den Vermieter schriftlich darüber.
- 5.Achte auf Fristen: Die Nebenkostenabrechnung muss dir spätestens ein Jahr nach Ende des Abrechnungszeitraums zugehen. Wenn die Abrechnung zu spät kommt, musst du eventuelle Nachzahlungen nicht leisten!
- 6.Prüfe die Abrechnung sorgfältig: Nimm dir Zeit, die Nebenkostenabrechnung genau unter die Lupe zu nehmen. Achte auf Fehler, Ungereimtheiten und unklare Positionen.
- 7.Lege Widerspruch ein: Wenn du Fehler entdeckst, lege innerhalb der Widerspruchsfrist (in der Regel ein Jahr ab Erhalt der Abrechnung) schriftlich Widerspruch gegen die Abrechnung ein. Fordere Belege an, um die Positionen zu überprüfen.
- 8.Kenntnis der Rechtsprechung: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in verschiedenen Urteilen die Rechte der Mieter gestärkt. So hat der BGH entschieden, dass Schätzungen nur zulässig sind, wenn eine tatsächliche Ablesung nicht möglich ist (z.B. wegen eines defekten Messgeräts) (BGH, Urteil vom 28.02.2007, Az. VIII ZR 33/06). Auch bei der Verteilung der Kosten nach Auszug hat der Vermieter transparent und nachvollziehbar vorzugehen.
Was tun, wenn der Vermieter schätzt?
Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Vermieter den Verbrauch schätzt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Messgeräte defekt sind oder der Zugang zur Wohnung nicht möglich war. Aber auch hier musst du nicht alles hinnehmen!
- •Hinterfrage die Schätzung: Frage den Vermieter, wie er zu der Schätzung gekommen ist und welche Daten er dafür verwendet hat.
- •Vergleiche mit Vorjahreswerten: Vergleiche die Schätzung mit deinem Verbrauch in den Vorjahren. Ist die Schätzung plausibel?
- •Biete eigene Schätzungen an: Wenn du den Eindruck hast, dass die Schätzung des Vermieters zu hoch ist, kannst du ihm eine eigene Schätzung vorlegen. Begründe deine Schätzung nachvollziehbar.
Fehler gefunden? So geht's weiter!
Wenn du in der Nebenkostenabrechnung Fehler entdeckt hast, solltest du so vorgehen:
- 1.Schriftlicher Widerspruch: Lege innerhalb der Widerspruchsfrist schriftlich Widerspruch gegen die Abrechnung ein. Beschreibe die Fehler detailliert und fordere Belege an.
- 2.Belege prüfen: Überprüfe die Belege sorgfältig. Stimmen die Angaben mit der Abrechnung überein? Sind die Kosten nachvollziehbar?
- 3.Nachbesserung fordern: Fordere den Vermieter auf, die Abrechnung zu korrigieren und dir eine neue, korrekte Abrechnung zukommen zu lassen.
- 4.Beratung suchen: Wenn du dir unsicher bist oder der Vermieter sich querstellt, kannst du dich an einen Mieterverein oder einen Anwalt für Mietrecht wenden.
Fazit: Sei wachsam und lass dich nicht über den Tisch ziehen!
Die Zwischenablesung beim Auszug ist ein wichtiger Punkt, der oft für Streit sorgt. Aber mit den richtigen Informationen und einer Portion Hartnäckigkeit kannst du dich vor unfairen Abrechnungen schützen. Sei wachsam, kontrolliere die Werte und scheue dich nicht, Widerspruch einzulegen, wenn etwas nicht stimmt. Denk dran: Es ist dein gutes Recht, eine korrekte Nebenkostenabrechnung zu bekommen! Und jetzt viel Erfolg beim Kampf gegen die Nebenkosten-Gauner!
Weitere Artikel zum Thema

Verbrauchserfassung defekt: Was Mieter tun können, wenn Heizkosten zu hoch sind (und der Vermieter sich weigert, zu reparieren)!

Heizkostenabrechnung nach Auszug: Was passiert mit der Schlussrechnung und wie sichern sich Mieter ab?
