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Tierhaltung in der Mietwohnung: Dürfen Vermieter erhöhte Reinigungskosten in der Nebenkostenabrechnung verlangen?

Na, freust du dich auch immer so, wenn die Nebenkostenabrechnung ins Haus flattert? Eher nicht, oder? Besonders spannend wird es, wenn du ein tierischer Mitbewohner hast. Da fragt man sich schnell: Dü...

Mister Check
5 Min. Lesezeit
Tierhaltung in der Mietwohnung: Dürfen Vermieter erhöhte Reinigungskosten in der Nebenkostenabrechnung verlangen?

Na, freust du dich auch immer so, wenn die Nebenkostenabrechnung ins Haus flattert? Eher nicht, oder? Besonders spannend wird es, wenn du ein tierischer Mitbewohner hast. Da fragt man sich schnell: Dürfen die mir jetzt extra Kosten für die Reinigung aufbrummen, nur weil Bello oder Miezi hier wohnt? Keine Sorge, ich helfe dir, das Dickicht aus Paragraphen und Vermieteransprüchen zu durchblicken!

Tierische Mitbewohner und die Nebenkosten: Was ist erlaubt, was nicht?

Erstmal die gute Nachricht: Dein Vermieter darf dir nicht einfach so pauschal erhöhte Reinigungskosten in Rechnung stellen, nur weil du ein Tier hältst. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Lass uns das mal genauer anschauen.

Grundsatz: Keine Tierpauschale ohne Grundlage

Eine generelle "Tierpauschale" in der Nebenkostenabrechnung ist in der Regel unzulässig. Der Vermieter muss nachweisen, dass durch dein Tier tatsächlich höhere Reinigungskosten entstanden sind. Das hat der BGH (Bundesgerichtshof) schon mehrmals klargestellt. Stell dir vor, du müsstest für jede Zimmerpflanze extra zahlen – das wäre ja auch absurd!

Wann erhöhte Reinigungskosten gerechtfertigt sein können

Es gibt aber Ausnahmen. Nämlich dann, wenn dein Tier nachweislich für eine übermäßige Verschmutzung des Treppenhauses, des Gartens oder anderer Gemeinschaftsflächen verantwortlich ist. Denk zum Beispiel an:

  • Hundehaare: Wenn Bello ständig haart und das Treppenhaus voller Hundehaare ist, die dann von den anderen Mietern in ihre Wohnungen getragen werden.
  • Katzenstreu: Wenn Miezi beim Verlassen der Wohnung Streu verteilt, das sich im Treppenhaus sammelt.
  • Urin oder Kot: Unfälle passieren, klar. Aber wenn das regelmäßig vorkommt und die Gemeinschaftsflächen darunter leiden.
In solchen Fällen kann der Vermieter verlangen, dass die Reinigung häufiger oder intensiver durchgeführt wird. Aber Achtung: Er muss das konkret beweisen und die entstandenen Mehrkosten genau beziffern.

Dein Mietvertrag: Was steht drin?

Schau dir deinen Mietvertrag genau an! Gibt es eine Klausel zur Tierhaltung? Viele Mietverträge enthalten Klauseln, die die Tierhaltung regeln. Diese Klauseln sind aber nicht immer wirksam.

  • Generelles Tierhaltungsverbot: Ein generelles Verbot ist in den meisten Fällen unwirksam. Der BGH hat entschieden, dass du grundsätzlich das Recht hast, Kleintiere wie Hamster oder Fische zu halten. Bei größeren Tieren (Hunde, Katzen) muss eine Interessenabwägung stattfinden.
  • Erlaubnis unter Vorbehalt: Oft steht im Mietvertrag, dass du die Erlaubnis zur Tierhaltung beantragen musst. Der Vermieter kann die Erlaubnis verweigern, wenn er sachliche Gründe hat (z.B. Allergien anderer Mieter, Lärmbelästigung).
  • Klauseln zu Reinigungskosten: Gibt es im Mietvertrag eine Klausel, die die Reinigungskosten im Zusammenhang mit der Tierhaltung regelt? Auch hier gilt: Die Klausel darf dich nicht unangemessen benachteiligen. Eine pauschale Erhöhung der Reinigungskosten ist in der Regel unzulässig.
⚠️
WichtigEine unwirksame Klausel im Mietvertrag muss nicht befolgt werden. Wenn du dir unsicher bist, lass dich von einem Mieterverein beraten.

So prüfst du die Nebenkostenabrechnung

Okay, die Nebenkostenabrechnung ist da. Was nun? So gehst du am besten vor:

  1. 1.Fordere die Originalbelege an: Du hast das Recht, alle Belege einzusehen, die der Nebenkostenabrechnung zugrunde liegen. Das gilt auch für die Rechnungen der Reinigungsfirma.
  2. 2.Prüfe die Reinigungskosten: Sind die Reinigungskosten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen? Wenn ja, warum? Hat der Vermieter die Mehrkosten nachvollziehbar begründet?
  3. 3.Achte auf den Umlageschlüssel: Wurden die Reinigungskosten korrekt auf alle Mieter umgelegt? Der Umlageschlüssel muss im Mietvertrag vereinbart sein.
  4. 4.Hinterfrage Pauschalen: Gibt es eine Pauschale für die Reinigung im Zusammenhang mit der Tierhaltung? Diese ist, wie gesagt, in den meisten Fällen unzulässig.
  5. 5.Vergleiche mit anderen Mietern: Sprich mit deinen Nachbarn. Haben sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Vielleicht könnt ihr euch gemeinsam gegen unberechtigte Forderungen wehren.
Konkrete Tipps für die Prüfung:

  • Rechnungen der Reinigungsfirma: Achte darauf, dass die Rechnungen detailliert sind. Steht dort, welche Arbeiten durchgeführt wurden und wie lange sie gedauert haben?
  • Protokolle der Reinigung: Gibt es Protokolle, die die Reinigungsarbeiten dokumentieren? Wenn ja, prüfe, ob die Angaben plausibel sind.
  • Zeugen: Wenn du Zeugen dafür hast, dass dein Tier keine übermäßige Verschmutzung verursacht, kannst du diese im Streitfall benennen.

Was tun, wenn die Nebenkostenabrechnung falsch ist?

Wenn du Fehler in der Nebenkostenabrechnung entdeckst, solltest du innerhalb der Einspruchsfrist (in der Regel 12 Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums) schriftlich Widerspruch einlegen.

So gehst du vor:

  1. 1.Schreibe einen Widerspruch: Formuliere deinen Widerspruch schriftlich und begründe ihn genau. Nenne die konkreten Punkte, die du beanstandest.
  2. 2.Sende den Widerspruch per Einschreiben: So hast du einen Nachweis, dass der Vermieter deinen Widerspruch erhalten hat.
  3. 3.Fordere eine Korrektur der Abrechnung: Bitte den Vermieter, die Abrechnung zu korrigieren und dir eine neue Abrechnung zukommen zu lassen.
  4. 4.Zahle unter Vorbehalt: Zahle den Betrag, den du für richtig hältst. Den Restbetrag kannst du unter Vorbehalt zahlen. So vermeidest du Mahnungen und Inkassoforderungen.
  5. 5.Suche dir Hilfe: Wenn der Vermieter nicht reagiert oder du dir unsicher bist, wende dich an einen Mieterverein oder einen Anwalt für Mietrecht.

Fazit: Lass dich nicht über den Tisch ziehen!

Die Nebenkostenabrechnung ist oft ein Minenfeld. Gerade wenn es um Tierhaltung geht, versuchen Vermieter gerne, zusätzliche Kosten auf die Mieter abzuwälzen. Aber lass dich nicht einschüchtern! Informiere dich über deine Rechte, prüfe die Abrechnung sorgfältig und wehre dich gegen unberechtigte Forderungen. Mit etwas Know-how und Hartnäckigkeit kannst du sicherstellen, dass du nicht mehr zahlst als nötig. Und denk dran: Im Zweifelsfall hilft dir ein Mieterverein oder ein Anwalt! Also, viel Erfolg bei der Prüfung deiner Nebenkostenabrechnung!

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